Vom syrischen Bürgerkriegsflüchtling zum ausgezeichneten Mainburger Automobilkaufmann

23.07.2019
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Mohamed Ebeidin flieht als 16-jähriger allein übers Mittelmeer nach Europa. Und schafft vier Jahre später seinen Abschluss als Automobilkaufmann beim Mainburger Volkswagen Händler. Mit Auszeichnung.

Aleppo/Mainburg – Viele Geschichten über eine Flucht aus Krisen- und Kriegsgebieten haben kein Happy End. Zum Glück gibt es Ausnahmen, die Hoffnung machen. Mohamed Ebeidin lebte mit seiner Familie bei Aleppo in Syrien. Aufgrund der katastrophalen Situation im Kriegsgebiet und der mangelnden Perspektiven in seinem Heimatland entschloss er sich mit nur 16 Jahren, allein nach Europa aufzubrechen –eine Odyssee. Denn erst im siebten Anlauf gelang ihm die Flucht übers Mittelmeer, in einem neun Meter langen Schlauchboot, völlig überladen mit mehr als 50 Personen.

In Griechenland angekommen, machte er sich – meist zu Fuß – auf den Weg nach Deutschland. Im Sommer 2015, dem bisherigen Höhepunkt der Flüchtlingskrise, erreichte er Mainburg. Dort wurde er in einer Wohngemeinschaft für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge aufgenommen. Im Frühjahr 2016 bewarb er sich bei Auto Köhler um eine kaufmännische Lehre. Die Voraussetzungen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, waren denkbar schlecht: keine Schulzeugnisse, keine dokumentierten Abschlüsse, kaum Deutschkenntnisse. Was Mohamed aber hat: Persönlichkeit. „Er hat mich durch das überzeugt, was mir bei allen Bewerbern noch vor guten Noten am allerwichtigsten ist: durch ein gutes, selbstbewusstes, freundliches Auftreten und durch einen starken Willen, Ziele zu erreichen.“, sagt Klaus Köhler, Geschäftsführer des Mainburger Familienbetriebs.

So begann Mohamed am 1. September 2016 seine Ausbildung zum Automobilkaumann. Und erfuhr dort bayerische Gastfreundschaft im besten Sinn: Seine Kollegen unterstützen ihn von Anfang an, sie halfen bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche und versorgten ihn mit deutscher Literatur, um ihm das Deutschlernen zu erleichtern. Die Vermutung liegt nahe, dass im Herzen Niederbayerns auch die dortige Sprache auf den täglichen Lehrplan stand.

Der Lohn der Unterstützung durch die Kollegen und des enormen Ehrgeizes von Mohamed selbst stellte sich im Sommer 2019 ein: Mohamed ist nun Automobilkaufmann. Mehr noch: Vom Elternbeirat der Berufsschule II in Landshut bekam er einen Ehrenpreis verliehen, als Musterbeispiel gelungener Integration. Die Auszeichnung wurde im Prunksaal des Landshuter Rathauses gefeiert, wo Mohamed vor rund 500 Zuhörern seine Dankesrede hielt – in fließendem Deutsch.

Bei Auto Köhler arbeitet er ab sofort in der Verkaufsabteilung. Laut eigener Aussage hat er in Bayern seine neue Heimat gefunden – und im Mainburger Traditionsbetrieb eine neue Familie. Ein gutes Ende einer dramatischen Geschichte. Oder besser gesagt, der Anfang einer neuen, schönen. Und vor allem ein Ansporn für drei weitere syrische Jugendliche, die ebenfalls alleine geflohen sind und die derzeit bei Auto Köhler eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker absolvieren.

v.l.n.r.: Klaus Köhler, Mohamed Ebeidin, Anita Rumpfinger (verantwortliche Lehrkraft), Josef Huber (Geschäftsführer Kfz-Innung Niederbayern)